Mein Ziel war es, einen möglichst guten Eindruck von der Arbeit am Moorfields zu erhalten, da ich seit längerem über ein Fellowship in England nachdenke.
Ich habe jeweils 1 Woche in den folgenden Abteilungen verbracht: Adnexal, Strabismus, Medical Retina, Cornea.
Das Moorfields Eye Hospital (MEH) ist eine der grössten Augenkliniken in Europa, wenn nicht sogar weltweit. Aufgrund der Grösse (über 1000 Patienten pro Tag) und der hohen Spezialisierung werden hier die spannendsten Fälle des Landes gesehen.
Observerships können direkt auf der Moorfields Website für 150 GBP pro Woche gebucht werden. Leider ist die zuständige Dame nicht gerade ein Organisationstalent und beantwortet nur selten ihre Emails. Deshalb am besten telefonisch Kontakt aufnehmen und immer wieder nachfragen, ob alles korrekt läuft.
Als schweizer Augenarzt ist man im Moorfields zuerst einmal überwältigt, dann aber ziemlich schnell wieder ernüchtert. Das Spital ist gigantisch. Allein im Hauptgebäude laufen 15 Sprechstunden gleichzeitig, jede davon mit 10-20 Ärzten. Die Wartezonen gleichen den Gates an einem Flughafen.
Während es für den «Nursing Staff» 15 verschiedene Uniformen gibt, sind Ärzte und Optometristen alle zivil gekleidet. Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln, Hosen und Schuhe. Armbanduhren, Jeans, Turnschuhe sowie Kittel sind verboten.
Bezüglich Fachwissen bestehen grosse Unterschiede. Jede Sprechstunde wird von einem Consultant geleitet. Diese sind unglaublich kompetent, jedoch häufig abwesend. Die Patienten werden hauptsächlich von Fellows betreut. Da am Moorfields kaum jemand aus England arbeitet, sind die Niveaus der Fellows genau so unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer.
Die Zeit im OP war fantastisch. Man kann hier täglich jede zurzeit übliche Augenoperation sehen und häufig auch sehr unübliche. Die Hygiene im OP ist für einen Schweizer äusserst gewöhnungsbedürftig: Masken werden nur direkt am Tisch getragen, die OP Schuhe werden nie gewaschen und sind deshalb voll mit Iod- und Blutflecken, die Angestellten nehmen ihre privaten Taschen mit in den OP und der Korridor des OP-Trakts wird von vielen (zivil gekleideten) als Abkürzung zum Kinderspital benutzt.